Henrike Gänß

freie Architektin


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MOEBLESS

Versuch einer Umkehr

Ziel war eine ressourcenschonende Minimalarchitektur, welche Wohnen, Arbeiten und den Verzicht auf Wohnkonsum ermöglicht sowie die Interessen von Mensch, Flora und Fauna gleichberechtigt berücksichtigt. Entstanden ist ein ca. 80 qm großer Einraum, welcher ohne Innenwände auskommt, da Funktionszonen wie Lebens-, Arbeits- und Stauräume durch Höhenversprünge gebildet werden. Dies ermöglicht bei minimalem Flächenverbrauch ein stattliches Raumgefühl, da der komplette Einraum von jeder Zone aus in seiner ganzen Größe erfahrbar bleibt. Möbel werden durch Modellierung der Architektur aus dieser heraus gebildet und nicht mehr benötigt, MOEBLESS.

Die Kubatur wurde als formal klarer Baukörper geschlossen, sodass sich die Dachfläche optimal für die ganzjährig solarthermische und -elektrische Nutzung eignet, keine Versiegelung stattfindet und neben dem Regen- und dem sommerlichen Wärmeschutz auch der Vogelschlag gelöst wurden. Der im allgemeinen primär "hüllen-bildende" Entwurfsprozess wurde umgekehrt und konsequent von "Innen-nach-Außen" gedacht. Hierfür wurde zu Beginn eine Bestandsanalyse des Gesamtbesitzes des Bauherren erstellt und in einer umfassenden Datenbank Nutzungsintervalle, Dimensionen, Materialien, Wert und Beziehung erhoben. Die statistische Auswertung identifizierte lebens- und arbeitsnotwendige Dinge mit hoher Relevanz. Diesen Dingen wurden anhand dieser Auswertung Nutzungszonen zugeordnet.

Es wurden ausschließlich besonders umweltverträgliche Materialien eingesetzt, die Holzsichtoberflächen wurden entweder mit einer rein mineralischen Lasur, welche sich mit dem holzeigenen Lignin "verkieselt" oder mit Farben auf rein pflanzlicher Basis behandelt. Für die Unterkonstruktion der Fassade wurde diese im Airbrush-Verfahren aufgetragen. Diese erstmalig industrielle Verarbeitung war Pionierarbeit. Für den Innenausbau wurde eine Sonderproduktion von emissionsfreien Tischlerplatten veranlasst oder PVC freie Kabel verlegt. Die Hanffaserdämmung mit Stützfasern aus Maisstärke kann zu 100% kompostiert werden und hat eine positive CO2 Bilanz. Die Wände wurden mit rein mineralischen Kalkputzspachteltechniken ausgeführt. Die Dichtigkeit für den Plusenergiestandard wurde durch Massivholzwände ohne Folien erreicht. Neben Ökologie und Ästhetik wurde bei der Materialwahl auch auf die regionale Verfügbarkeit geachtet. Zusammen mit dem Forst BW wurde eine 120-jährige Douglasie gefällt und vom Stammansatz bis in den Wipfel ganzheitlich für die verschiedenen Anwendungen von astfreien, raumlangen Dielen über sägeraue Fassadenlamellen bis hin zu Rindenmulch für die Außenanlagen aufgearbeitet.


Auszeichnung AKBW "Beispielhaftes Bauen" DABonline - Ausgabe April 2022
Berichte über das Projekt FUTURZWEI National Geographic brand eins